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Adventskalender – No.1

Lohgo

Magische Wörter: Schlange, Meer, Glühwürmchen, Feuer

Es war einmal ein junger Schornsteinfeger, namens Hans. Hans war ein fröhlicher Geselle und hatte immer einen lustigen Spruch auf den Lippen, deshalb war er bei den Menschen als der glückliche Hans bekannt. Doch Hans hatte ein Problem, er konnte zwar den Leuten Glück und Freude ins Haus bringen, er selbst jedoch konnte das Glück nicht spüren und war darüber sehr unglücklich. Er versuchte alles, um auch einmal das Glück zu bekommen. An jeder Ecke fand er vierblättrige Kleeblätter, die er verschenkte oder er fand Hufeisen, welche er den Menschen als Glücksbringer an ihrem Eingang befestigte, doch das Glück bei ihm selbst, ließ auf sich warten.

Völlig entmutigt ließ Hans sich in eine Wiese fallen, auf der er sich gerade befand.

„Aua!“ zischte es hinter ihm, „Willst du mir das Rückrat brechen?“

„Was ist das! Wer spricht da?“ Hans sprang erschrocken auf und schaute auf eine kleine Schlange.

„Na du bist ja gut, knallst dich einfach hierher und guckst nicht einmal richtig, wohin du trittst!“, empört sich die Schlange und richtet sich plusterlich auf. Doch sie ging Hans gerade mal bis kurz unters Knie.

„Ich konnte ja nicht ahnen, dass du hier rum kriechst! Ich habe nach Kleeblättern geguckt und nicht nach einer albernen Schlange!“

„Soso, Kleeblätter suchst du. Wozu brauchst du die denn? Ich bin schon an vielen vorbei gekrochen, hier gibt’s ja etliche.“

„Nein, nein ich suche doch nicht die normalen, sondern die mit vier Blättern dran, denn die sollen Glück bringen.“

„Hm, was gibst du mir, wenn ich dich zu einem Platz führe, wo es von diesem Glücksklee tausende gibt?“

„Was kann ich dir schon geben, du bist eine Schlange! Was brauchst du schon!“

„Oh, da gibt es so einiges was ich mir wünsche!“ Die Schlange kringelt sich zu einem kleinen Knäuel und schaute ganz verträumt mit großen erwartungsvollen Augen Hans an.

„Aber warte, ich könnte dir meinen Lieblingskiesel geben. Der glitzert so schön in der Sonne und wenn du hindurch schaust, kannst du die Welt in wunderschönen Farben sehen“, sprach Hans und zog einen kleinen Edelstein, der in allen Farben der Welt funkelte, aus seiner Hosentasche. „Ich habe ihn immer bei mir, weil er mich in trüben Stunden aufheitert und mein Herz erwärmt, so als würde ich an einem gemütlichen Feuer sitzen.“

Die kleine Schlange, sichtlich beeindruckt vom Uneigennutz des Burschen, erwiderte:

„Ach lass dein Steinchen stecken, so ein kostbares Geschenk brauch ich nicht. Ich könnte den Stein sowieso nicht tragen, ich habe keine Taschen wie du. Und überhaupt, kenne ich einen Ort, wo diese Steinchen massenweise zu finden sind. Ich glaube auch, dass die Menschen diese Art Stein sehr schätzen. Pass also auf, wem du diesen Stein zeigst!

Doch du kannst mir einen anderen Gefallen tun. Ich würde zu gerne das Meer einmal sehen, doch ich bin zu klein und zu langsam, es jemals zu erreichen.“

„Ach kleine Schlange“, freut sich Hans, „das ist doch kein Problem, ich kenne einen Kaufmann, der regelmäßig im Monat an die Küste fährt, um Waren einzukaufen. Ich werde ihn gleich nachher fragen, ob er dich mitnehmen kann. Komm mit mir!“

Die Schlange war zufrieden, krabbelte am Hosenbein von Hans hoch bis zu seinen Schultern und  kringelte sich um seinen Hals. Hans war sehr froh und fühlte sich auch ein klein wenig glücklich, bei dem Gedanken, einem anderen bei einem Problem geholfen zu haben. „So muss sich das Glück anfühlen, aber es fehlt noch irgendwas“, dachte Hans bei sich.

So in Gedanken versunken stand er alsbald vor der Tür des Kaufmanns und klopfte. „Ja, wer ist denn da?“, fragt eine weibliche Stimme hinter der Tür. „Ich bin’s, der Hans, ich will zum Kaufmann, mach doch die Tür auf!“

„Das darf ich leider nicht, wenn mein Vater nicht zu Hause ist. Doch er kommt bald wieder, er ist noch auf dem Markt, um seine Waren zu verkaufen. Wenn die Sonne untergeht ist er wieder da.“

Hans war von der Stimme des Mädchens so verzaubert, dass er sofort eine ungeahnte Sehnsucht verspürte, die Unbekannte kennenzulernen. Die kleine Schlange, welche alles mitbekam, flüsterte in sein Ohr: „Schenk ihr deinen Stein!“ Er nahm also seinen kleinen Stein und sprach: „Ich habe hier ein kleines Geschenk für dich, mach doch die Tür auf, damit ich es dir geben kann!“ Plötzlich sah er in zwei wunderschöne neugierige Augen der Tochter des Kaufmanns und es war um ihn geschehen.

„Was ist es denn?“ hörte Hans. wie durch einen riesigen Wattehaufen, das Mädchen fragen.

„Ein kl.. klei.. ner St.. Stein“, stotterte Hans und dann schon wieder etwas gefasster: „Es ist mein Lieblingsstein, er ist zwar klein, aber er wird deine wunderschönen Augen erfreuen mit seinem Gefunkel und er erwärmt dein Herz, in trüben Stunden, als würdest du an einem gemütlichen Feuer sitzen.“

Auch das Mädchen, fand gefallen an dem Burschen. „Oh, wie wunderschön dein Steinchen ist. Ja, es würde mir bestimmt mein Herz erwärmen, als würde ich an einem gemütlichen Feuer sitzen. Ich bin oft so allein, weil mein Vater auf Reisen ist, um Waren zu verkaufen und einzukaufen und das wundervolle Funkeln wird mir die trüben Stunden aufhellen. Gerade wollte das Mädchen den Stein näher betrachten, da kam just in diesem Moment der Kaufmann zurück, sah wie Hans sich mit seiner Tochter unterhielt und schimpfte ungehalten los. „Marie, geh sofort ins Haus, ich habe dir doch verboten die Tür zu öffnen.“ Erschrocken drehte sich Hans um. Dabei rutschte ihm der Stein aus der Hand und der kullerte dem Kaufmann bis vor die Füße.

„Was ist denn das?“ sprach dieser und hob den Stein auf. „Welch wunderbares Kleinod führst du mit dir! Und was ist dein Begehr.“

Ein kurzes gieriges Funkeln wurde von einer vermeintlich freundlich-einladenden Miene, des Kaufmanns, überlagert.

„Ich bin’s, der Hans, und möchte dich um einen Gefallen bitten.“

„Alles was du willst.“, sprach der Kaufmann leutselig.

„Ich habe meinem Freund hier versprochen ihn das Meer zu zeigen.“ und deutete auf die kleine Schlange um seinen Hals. „Würdest du mich mitnehmen, damit ich es ihm zeigen kann?“

„Hmm, eine schwierige Sache, ich wollte mich zwar morgen auf den Weg zum Meer machen, habe aber noch nicht genügend Geld gehandelt, um neue Waren zu kaufen.“, log der Kaufmann. „Doch wenn du mir deinen Stein überlässt, denke ich, müsste schon gehen und du kannst mit deinem Freund mit kommen.“

„Aber, das ist nicht mehr mein Stein!,  entschuldigt sich Hans. „Ich habe ihn gerade Marie geschenkt.“

„Ach wo ein Stein ist, sind noch viele andere!“, poltert freundlich mimend der Kaufmann. „Hol einfach neue Steine nach und wir werden uns einig, mein Freund!

„Ich hab aber nur diesen einen. Und weil Marie so wunderschön ist, habe ich ihr den Stein geschenkt. Am liebsten würde ich sie zu meiner Frau machen.“

Ungehalten schubst der Kaufmann Hans zur Seite. „So ein Dummkopf! Denkst du, du bekommst die Hand meiner Tochter einfach nur so? Sie hat etwas Besseres verdient, als so einen dahergelaufenen Kerl wie dich. Ich hab sie doch nicht umsonst vor den Blicken der anderen jetzt 17 Jahre verborgen.“ Und schon etwas versöhnlicher klingend: „Bringst du mir die Steine, soll’s dein Übel nicht sein. Dann kannst du mit deinem Freund das Meer sehen aber meine Marie schlag dir lieber aus den Kopf.

Nun aber verschwind und halt hier nicht Maulaffen feil!“ und schlug die Tür vor Hans’ Nase zu.

Gebrochenen Herzens ging Hans von dannen, doch die kleine Schlange flüsterte ihm ins Ohr. „Hans, wenn du solche Steine brauchst um deine Marie zu gewinnen, weiß ich Rat. Du bist ein guter Mensch, ich werde dir helfen. Geh zu der alten Eiche auf dem Berg, hinter dem der Mond aufgeht und greif beherzt in das mittlere der drei Astlöcher. Dort wirst du dein Glück finden, und alles was du brauchst. Doch versuche nicht, in die anderen beiden Astlöcher zu greifen, denn das wird dein Unglück …“ So ging Hans zum Berg auf dem die alte Eiche stand griff beherz in das mittlere Astloch und zog zwei kleine Edelsteine heraus. Er griff noch einmal hinein und zog wieder zwei kleine Edelsteine heraus und das ging so lange,  bis er ein kleines Leinensäckchen gefüllt hatte. Das verbarg er unter seiner Jacke.

Am frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang ging er abermals zum Kaufmann. Der war gerade dabei seine Kutsche fertig zu machen für die Fahrt zur Küste.

„Guten Morgen Kaufmann, ich habe noch einen Stein gefunden und würde gerne mit kommen auf die Reise zum Meer.“

Noch ganz morgentrunken und mürrisch antwortete der Kaufmann: „Zeig her, ob’s auch der rechte ist und du mich nicht betrügen willst.“ Hans zeigte ihm den Stein und durfte auf den Kutschbock neben dem Kaufmann Platz nehmen. Beim Aufsteigen jedoch riss das Leinensäckchen etwas auf und ein kleines Steinchen fiel auf den Boden. Der Kaufmann griff ganz schnell danach und rief: „Aha, wusste ich’s doch, wo ein Steinchen ist, sind auch noch mehr. Woher hast du die Steine, wenn sie nicht gestohlen sind. Sag’s, oder ich zeige dich an!“

Hans war ganz verdutz vor solcher Dreistigkeit und sprach: „Schau Kaufmann, es ist wirklich mühevoll dieses Steinchen zu finden. Bring mich und meinen Freund zum Meer und ich gebe dir noch mehr Steinchen davon. Doch wenn du wissen  willst, wo ich die Steine gefunden habe, musst du mir die Hand deiner Tochter versprechen.“

„Na gut, na gut“, sprach der Kaufmann schon versöhnlicher. „dann soll es so sein. Wenn wir zurückkommen, wird Marie deine Frau.“

Fast war es Hans, als hörte er ein freudiges Lachen hinter der Tür des Kaufmanns, aber die Kutsche fuhr schon los und es konnte auch das quietschen der Achsen gewesen sein.

Hans und der Kaufmann waren ganze drei Tage unterwegs bis sie endlich an die Küste kamen und ein weiters Delta sich vor den beiden erstreckte.

Die kleine Schlange war ganz begeistert von ihren ersten Eindrücken, so dass sie aufgeregt hin und her rutschte. Dabei schnürte sie Hans vor lauter Aufregung den Hals so fest zusammen, dass es ihm die Tränen in die Augen trieb.

„Kleine Schlange, drück nicht so fest, sonst komm ich nicht mehr lebend heim“, flüsterte Hans der Schlange zu. „Pass auf dich auf, mein glücklicher Hans, denn es wird nicht an mir liegen, ob du heil nach Hause kommst. Lebe wohl und werde glücklich mit deiner Marie, ich werde hier am Meer bleiben. Und weil du dein Versprechen eingehalten hast, werde ich dir noch ein Geheimnis verraten. Die Kleeblätter, die du gesucht hast, wachsen nur am 10. Tag eines jeden Jahres im Juni, dann, wenn die Glühwürmchen tanzen gehen.. Halte dort Ausschau nach diesen, dann wirst du dort dein Glück finden“, sprachs und verschwand im Gebüsch.

Der Kaufmann bekam von all dem nichts mit, da er gerade mit einem Geschäftspartner verhandelte. Diesmal schienen seine Geschäfte von einem selten glücklichen Geschick begleitet zu sein, dass der Kaufmann so gute Geschäfte wie noch nie machte und er gut gelaunt mit Hans den Heimweg antrat. „Sag mal, jetzt sind wir ja unter uns“, sprach der Kaufmann verschwörerisch, „hat dir die Schlange die Steine gegeben?“

„Nein, ich habe den ersten Stein auf dem Dach eines Hauses gefunden, als ich meinen ersten Schornstein geputzt habe. Deshalb war es mein Lieblingsstein und ich trug ihn immer bei mir, bis ich deine Tochter sah und ihr den Stein schenkte. Wo ich die anderen Steine fand, erzähle ich dir, wenn wir vor deiner Haustür stehen.“

„Ach was soll dir schon passieren, wenn du’s mir jetzt schon erzählst, die Hand meiner Tochter ist dir gewiss“, heuchelte der Kaufmann.

„Na gut, es ist ja eh nicht mehr weit, bis zu deinem Haus. Also, die Steine fand ich an einer alten Eiche auf dem Berg, dort wo der Mond aufgeht. Der Baum hat drei Astlöcher.  In das obere und das untere Astloch, …“ … darfst du nicht hineinfassen, wollte Hans gerade sagen, doch dazu kam er nicht mehr, denn der Kaufmann stieß den armen Hans in eine Schlucht, an der sie gerade mit der Kutsche vorbeifuhren.

Schnurstracks fuhr der Kaufmann auf den Berg mit dem Baum und steckte beide Hände in das obere und das untere Astloch.

Und … da war gar nichts … ein leichtes Kribbeln ging lediglich durch seinen Körper. Er merkte wie sich seine Beine in die Luft bewegten und er konnte seine Hände nicht mehr aus den Astlöchern ziehen. Die Arme wurden immer steifer und holziger und das Schreien und Rufen des Kaufmanns wurde allmählich unter einer dicken Borke erstickt.

Hans jedoch fiel in die Schlucht und landete auf einem Moosbett. Als er wieder zu sich kam, sah er lauter Sternchen um sich tanzen und als er näher hinschaute, bemerkte er, dass es Glühwürmchen waren und er schaute sich um. Nun war es wohl so,  dass der 10. Tag im Juni herangekommen war und Hans mitten im Glücksklee gelandet ist. Schnell pflückte er ein paar Kleeblätter und machte sich auf den Weg zu seiner Marie.

Sie erwartete schon den Hans, welcher ihr die Begebenheit mit ihrem Vater erzählte. Marie und Hans liefen zur alten Eiche und fanden nur die Kutsche vor. Von dem Kaufmann war keine Spur zu finden. Sie suchten und riefen nach dem Kaufmann, doch er war nirgendwo aufzufinden. Hans kam der Baum jetzt ganz anders vor. Wo er vorher drei Astlöcher hatte,  wuchsen zwei mächtige Äste heraus und aus der Astgabel war nur noch ein kleines Astloch, aus dem ein freches Eichhörnchen schaute.

Nun endlich hatte auch Hans sein Glück gefunden, was er immer gesucht hatte, denn Marie war seine große Liebe und sein größtes Glück.

Hans und Marie gingen zum Haus des Kaufmanns und lebten dort glücklich bis an ihr Lebensende. Sie bekamen viele Kinder und Kindeskinder, welche alle das Glück ihrer Eltern erbten und das Glück in die Welt trugen.

˜ Ende ™

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