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Adventskalender – No.5

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Magische Wörter: Affe, Fünf, Lila, Zitrone, Jacke

Vor ungefähr 500 Jahren oder mehr, als der Zirkus noch mit Schaustellern durch die Lande zog, lebte ein Schaustellerpaar in einem heruntergekommenen Hüttchen. Den ganzen Sommer war es unterwegs mit anderen Schaustellern, Erzählern, Quacksalbern, Gaukler, Wahrsagern, Artisten, Domteuren und vielen anderen, welche sich den Sommer über beim Zirkus verdingten.

Ihr müsst wissen, nicht alle Zirkusleut fuhren im Zirkus von Stadt zu Stadt. Sie kamen aus aller Herren Länder und tingelten in den warmen Monaten als große Gruppe durchs Land. Im Winter aber, wurde Pause gemacht und die Schausteller mussten von dem kärglichen Lohn des Sommers den Winter überstehen oder mieteten sich beim Zirkusdirektor ein. Doch manche von den Schaustellern waren die Attraktion des Zirkus, hatten einen guten Lohn erwirtschaftet und hatten sogar einen eigenen Wagen.

Doch so ein reiches Paar waren die beiden Schausteller nicht. Das Paar hatte große Not heil über den Winter zu kommen. Wenn auch sonst die Frau wunderschöne Tänze, aus aller Welt, zeigte und der Mann wundersame Geschichten aus vielen Ländern zu erzählen wusste, blieben die Einkünfte für die beiden sehr schmal. Fünf Jahre ging das nun schon so. Im Sommer wurde erzählt und getanzt und im Winter wurde gehungert.

Bald war auch das letzte Krümelchen Brot aufgebraucht und sie mussten sehen, wo sie etwas zu essen auftreiben konnten. Trotz des schlechten Wetters versuchten sie in Wirtschaften ihr Glück mit Tanzen und Erzählen, doch sie wurden meist ausgelacht und aus den Wirtshäusern rausgeschmissen. „Was seid ihr doch für ein erbärmliches Paar“, grölten die Leute im Wirtshaus und die Weibsleut kicherten höhnisch dazu.

Der Wirt war nicht zufrieden und schickte die beiden ohne Lohn von dannen. „Hier, nimm deine Jacke und geh, aber lass deine Frau hier, vielleicht kann sie ja den einen oder anderen anderweitig mit ihren Künsten erfreuen!“, höhnte der Wirt. Doch die beiden, waren schon außer Hörweite.

Unterwegs überlegte das Schaustellerpaar, wie sie wohl ihr Abendbrot zusammenkriegen wollten. Der Mann sprach wütend: „Wir machen uns hier täglich zum Affen und trotzdem bekommen wir nicht genug Geld für Essen zusammen, das ist so ungerecht. Ich kann nicht länger zusehen, wie du, meine liebe Frau, immer unglücklicher wirst. Wenn ich doch nur eine gute Idee hätte, das wir durch den Winter kommen.“ Der großen Wut des Mannes machte sich endlose Hoffnungslosigkeit breit. „Ach mein armer Mann, sei doch nicht so traurig. Wenn die Leut’ einen Affen wollen, dann sollen sie doch auch einen haben“, tröstet die Frau ihren Mann. Da kommt der Frau ein Gedanke: „Vielleicht können wir tatsächlich die Leut’ mit einem Affen überraschen.“

„Ja woher sollen wir den denn her kriegen?“, resigniert der Mann.

„Wenn das Leben dir Zitronen bietet, dann mach Limonade draus! Pass auf, ich verkleide mich als großen Affen und du erzählst eine haarsträubende Geschichte, wie du den Affen gefangen und gebändigt hast. Ja, du hast ihm sogar das Tanzen beigebracht. Ist das nicht eine gute Idee?“

„Na ich weiß nicht, was ist, wenn die Leut’ mir nicht glauben.“ entgegnet der Mann zweifelnd.

„Also weißt du, wir sind doch Schausteller, das wird schon klappen!“

So optimistisch seine Frau auch klang, war der Mann noch lange am Zweifeln, aber er willigte ein, für einen Tag einen Affen-Dresseur zu spielen und sich eine gute Geschichte auszudenken.

Die ganze Nacht nähte die Frau an einem Kostüm und ging dann kurz vor Sonnenaufgang ins Bett.

Als der Mann erwachte, erschrak er erst einmal, so echt wirkte das Kostüm des Affen. Das machte den Mann jedoch Mut und er ersann eine gute Geschichte, rund um den Affen. Kurze Zeit später erwachte auch die Frau und beobachte amüsiert ihren Mann, wie er sich mit dem Affenkostüm unterhielt. Dann schlüpfte sie aus dem Bett und umarmte ihren Mann ganz fest und beide freuten sich auf den ersten Auftritt in der Stadt.

Schon auf dem Weg in die Stadt tuschelten die Menschen und schauten neugierig hinter dem Mann mit seinem seltsamen Tier hinterher. Günstig für die beiden war, dass an diesem Tag gerade Markttag war und so für viel Publikum gesorgt war. Auf dem Marktplatz angekommen, fing die Frau an zu kreischen und seltsame Bewegungen zu machen, was wohl einem Tanz ähneln sollte. Der Mann musste seinen „Affen“ erst einmal beruhigen, was er natürlich laut und Publikumswirksam machte. Immer mehr Menschen versammelten sich um das Schaustellerpaar und die Show begann …

„Liebe Leute, lasst euch sagen, dieses Tier hier ist recht verschlagen.

Ich kämpfte mit ihm von Angesicht zu Angesicht, ein Ende gab es lange nicht.

Doch hab ich besiegt das wilde Tier, und jetzt stehen beide wir hier.

Um zu erzählen von dem Tag und der Nacht, was ich diesem Affen beigebracht …“

Ein großes „Ahhh“ und „Ohhh“ ging durch die Menge und der Mann erzählte die tollsten Geschichten über den Affen, welcher dann ab und zu ein Tänzchen vorführte. Ihre Aufführung war ein voller Erfolg. Nun brauchten die beiden keine Angst zu haben den Winter nicht zu überstehen.

Sie tingelten in ihrem Umkreis über Dörfer und Städte und konnten sich bald sogar einen Wagen leisten, den sie mit großen lila Buchstaben und Sternen verzierten. Im ganzen Land sprach sich herum, was für ein spannendes Programm die beiden den Menschen boten, dass selbst der Zirkusdirektor zu den beiden kam und ihnen einen Platz in ihrer kleinen Truppe anbot.

˜ Ende ™

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