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Adventskalender – No.8

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Magische Wörter: Insel, Rot, Fähre, Gemüse, Apfel

Vor langer, langer Zeit, als die Menschen noch die Naturgeister anbeteten, lebte einmal ein kleiner Kobold mit seiner Familie auf der Insel Island Roy, einer der irischen Inseln. Diese Insel heißt komischerweise nicht Island Roy, weil ein Roy dort gewohnt hatte, sondern dieser Name entstand aus einer Ableitung von der Bezeichnung Oilean Ruaidh. Das ist die Sprechweise in Gälisch und heißt eigentlich die rote Insel. Heute kennen wir die Insel unter dem Namen Insel der Gefangenen (Oilean an Bhráighe) und bezieht sich auf den seinerzeit herrschenden Sweeney-Clan, welcher im 15. Jahrhundert dort herrschte. Das Schloss, Don Castle (Caislean na dTuath) wurde von dem Clan fast 200 Jahr besetzt und ihr könnt es heute noch sehen und besuchen. Aber das nur nebenbei, denn die Zeit, als der kleine Kobold lebte war noch bevor Irland eigentlich zu Irland wurde.

Der kleine Kobold hieß Huzel-Wuzel. Und seine 27 Geschwister hatten ähnlich lustig klingende Namen, aber ich schweife schon wieder ab.

Huzel-Wuzel war schon ein drolliger Kerl, etwas tollpatschig, aber liebenswert. Überall, wo er helfen konnte, war er zur Stelle. Das machte den Eltern, Mr. und Ms. Kastanie, von Huzel-Wuzel große Sorgen, denn alle ihre Kinder waren wohlgeraten und spielten den Menschen Streiche wo es nur ging, doch Huzel-Wuzel …

Na ja, sagen wir es mal so, er schlug total aus der Art.

Die Eltern taten alles, um Huzel-Wuzel wieder ins Lot zu bringen, sogar zur Schabernack-Schule musste Huzel-Wuzel gehen. Doch dort beschwerten die Lehrer sich über den kleinen Kobold.

„Also, so geht’s bald nicht mehr weiter. Wissen sie Ms. Kastanie, heute hat der Huzel-Wuzel  mir schon wieder beim Papierkügelchen-Aufheben geholfen und sogar die Tafel abgewischt. Er ist viel zu hilfsbereit, ich fürchte, er muss die Schule verlassen. Es kann ja nicht sein, das er, wenn er jemanden erschrecken soll, jedes Mal erst Bescheid sagt: Achtung, jetzt erschreck ich dich!  Ich bin mit meinem Latein am Ende“, so der Tenor der Lehrer.

Nun blieb den Eltern nichts anderes übrig, ihren Sohn zum Experten für Schabernack und Stichelei zu schicken, Mr. Tunichtgut. Sie schnürten dem kleinen Huzel-Wuzel ein kleines Fresspaket und los ging’s auf Wanderschaft und Seereise, denn Mr. Tunichtgut lebte auf einer anderen Insel. Diese Insel befand sich im südwestlichen Bereich von Irland – die Insel der Eichen (Valentia Island) und ist heute der westlichste Teil von Europa.

Huzel-Wuzel machte sich also auf den Weg. Doch Huzel-Wuzel hatte ein seltenes „Talent“, was die Eltern, wie auch die Lehrer nicht immer sahen, da sie es als „normal“ wahrnahmen. Der kleine Kobold, wie schon erwähnt, war sehr tollpatschig. Das heißt, wenn er etwas Schönes bewerkstelligen wollte, konnte es passieren, dass er genau das Gegenteil bewirkte. Ja, es klingt verwirrend. Ich gebe euch mal ein Beispiel: Weil Huzel-Wuzel nicht genügend Geld für die Fähre hatte, wollte er dem Fährmann bei der Arbeit helfen. Nun hatte das Boot des Fährmanns viele Löcher, welche er mit kleinen Korken verschloss, welche jeweils ein wenig überstanden. Hilfsbereit wie nun mal Huzel-Wuzel war, wollte er das Boot reinigen und er blieb jedes Mal an den Korken hängen. Da zog er sie halt kurz entschlossen heraus und sammelte sie in einem Eimer, um sie anschließend wieder Einzukorken. Stolz präsentierte der kleine Kobold dem Kapitän sein Werk. Vom oberen Deck sah es auch so aus als würde alles schön glänzen. Doch der Kapitän raufte sich die Haare, weil er sah, dass seine Fähre mit Wasser volllief und kurz vorm Kentern war. Die restlichen drei Meilen musste dann Huzel-Wuzel die Mannschaft im Ruderboot an Land bringen. Seine Eltern wären stolz auf ihren Sprössling gewesen, hätten sie’s gesehen.

Nun wieder mit festem Boden unter den Füßen, wanderte Huzel-Wuzel schnurstracks los – nicht ohne die Flüche und Verwünschungen der Crew, mit einem fröhlichen Winken zu quittieren – und folgte dem gelben Trampelpfad, wie es ihm seine Eltern angewiesen hatten. Alsbald stand er vor einem großen Eichenbaum. Ein kleiner Zaun, gleich nebenan, schützte einen kleinen Gemüsegarten vor ungebetenen Gemüseliebhabern. Die knorrige Tür konnte man fast nicht mehr erkennen, da sie meisterhaft gut in die Rinde der Eiche eingearbeitet war. Lediglich der Türklopfer, welcher wie ein Apfel aussah, ließ vermuten, dass hier eine Tür verborgen war.

„Wer stört denn jetzt schon wieder!“, krächzte es von drinnen und die Tür bewegte sich auf Huzel‑Wuzel zu. „Hab ich euch nicht gesagt, dass ich keine Zeit für eure …“ Durch den Schreck fiel der kleine Kobold direkt mit dem Zaun ins Gemüsebeet und riss beim Fallen gleich noch ein paar Bohnenranken um. „Neiiiin, was machst du nur, mein armes Gemüse! Herrje, es war fast reif und nun ist alles futsch.“

Huzel-Wutzel rappelt sich schnell auf und grüßte anständig, wie er es von seinen Eltern nicht gelernt hat. „Einen recht schönen guten Tag, ich soll hier zum Meister in die Lehre gehen. Bin ich denn hier richtig?“

„Richtig!? In meinem Garten liegst du erst einmal ganz falsch. Komm her und lass dir die Ohren lang ziehen!“ Ganz brav hielt Huzel-Wuzel dem neuen  Lehrer das Ohr hin, was den Experten noch mehr ärgerte. „Jetzt reicht’s mir aber, wer bis du überhaupt?“

„Ich bin Huzel-Wuzel Kastanie. Meine Eltern haben mich geschickt, damit ich bei dir ordentlich Schabernack lernen könnte“, erklärt der kleine Kobold artig.

„Hm, verstehe, verstehe“, meint der Meister und rieb sich das Kinn. „Komm also rein, ich nehme dich für eine Woche zur Probe und dann sehen wir weiter… und hör auf den Zaun zu reparieren, das machen die Wichtel.“

„Wer sind denn die Wichtel?“, von denen hatte Huzel-Wuzel noch nie etwas gehört.

„Wichtel, gehören zu der Gruppe der Helfenden und Heinzelmänner. Sie reparieren, reinigen, bauen und so weiter. Sie sind fleißig und helfen, wo es nur geht. Gib dich nicht mit denen ab, du bis ja ein Kobold!“

Der kleine Huzel-Wuzel wird nachdenklich. War er womöglich gar kein Kobold, sondern einer der Wichtel? Doch schnell verwarf er den Gedanken, denn er wollte ja ein waschechter Kobold sein.

Eine Woche mühte Mr. Tunichtgut sich ab, Huzel-Wuzel, die Kunst des Stänkerns, Schabernack Treibens und Streiche Spielens beizubringen, doch nichts fruchtete bei ihm. Jedes Mal, wenn der Kobold etwas Schlimmes machen sollte, kam etwas Gutes dabei heraus, wenn er allerdings etwas Gutes tat, endete es im Chaos und Verwirrung.

Mr. Tunichtgut, resignierte, „Also, Huzel-Wuzel, ich geb’ dir jetzt ein Rezept für deine Eltern mit, denn du hast eine schlimme Krankheit, welche Philanthropie heißt. Es hilft nichts, vermutlich ist es nicht heilbar,  ich weiß mir keinen Rat mehr.“

Traurig nahm Huzel-Wuzel sein Rezept und machte sich auf den Heimweg. Zu Hause angekommen erzählte er seinen Eltern, was ihm alles passiert war und die Eltern wurden immer stiller.

„Mein Sohn“, sagte der Vater dann, „Es ist schon sehr lange her, als wir dich aus dem Wald mit brachten. Ich glaube, ich muss dich endlich aufklären, alt genug bist du ja nun mit 114 Jahren. Alle paar Jahre gehen wir in den Wald und pflücken ein neues Koboldkind vom blauen Koboldbusch. Doch als wir dich pflückten, waren wir abgelenkt, weil es ein großes Feuer gab. Der halbe Wald brannte ab und wir mussten uns beeilen und haben dich vermutlich vom ähnlich aussehenden Wichtelbusch gepflückt …“

„…ja, und im Rezept vom Mr. Tunichtgut, stand drin, dass wir dich besser von einem Wichtel unterrichten lassen sollten, da wir sonst alle unseres Lebens nimmer froh werden würden“, schluchzte die Koboldmutter.

Nun war es auch Huzel-Wuzel klar, was er tun musste, er verabschiedete sich erneut von seinen Eltern und zog in die Lande, um bei den Wichteln zu lernen. Er wurde ein guter Wichtel, half den Menschen bei  der Arbeit und seine „Tollpatschigkeit“ war wie weggeblasen, da er jetzt seiner wahren Bestimmung folgte …

Irgendwann begegnete er dem Weihnachtsmann, aber das ist eine andere Geschichte …

˜ Ende ™

HOCH

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