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Kalenderblatt – No.10

Magische Wörter: Regenbogen, Schmetterling, Blumen, Jahrhundert

Es war einmal vor langer, langer Zeit, es könnte auch vielen Jahrhunderten gewesen sein, da lebte eine Raupe in ihrer Gemeinschaft. Doch dieses Räupchen wollte hoch hinaus und berühmt werden. Die Gemeinschaft lachte die kleine Raupe aus.

„Du, ein Held? Niemals, du bist doch viel zu klein, was kannst du denn schon bewirken.“

Die kleine Raupe wurde ganz traurig und zog sich zurück und wollte schon fast ihren Traum aufgeben.

Warum lachen die eigentlich so über mich?, dachte das Räupchen bei sich. Ich habe ihnen doch gar nichts getan. Ha, ich werde ihnen beweisen, dass ich ein Held sein kann! Doch ich weiß noch gar nicht wie! Ach, es wird sich schon was ergeben, ist die Raupe zuversichtlich.

Da ging die kleine Raupe zu Frau Falter. Sie war ein wundertätiger, ehrwürdiger Falter und das Räupchen fragte sie: „Frau Falter, kannst du mir helfen oder mir einen Rat geben? Ich möchte berühmt und ein Held werden! Wie schaffe ich das?“

Nach einer kleinen Weile, sprach die Ehrwürdige: „Mein Kind, du wirst deinen Traum verwirklichen, wenn du nur fest genug an dich selber glaubst. Nun geh deiner Wege, es ist alles gesagt.“

Auf dem Heimweg dachte die kleine Raupe bei sich: Das hat mich nun auch nicht wirklich weiter gebracht. Was spricht die Alte in Rätseln? Das war ja nun gar kein toller Rat.

In der Gemeinschaft wieder angekommen, hörte die kleine Raupe die anderen immer noch Tuscheln und über sich lachen, da beschloss sie, ihre Gemeinschaft zu verlassen.

Sie lief und lief und lief, da kam die kleine Raupe an einem alten knorrigen Baum vorbei. An dem hingen lauter vertrocknete Äpfel.

Das Räupchen fragte den Baum: „Ja was ist dir denn passiert? Warum siehst du so eingetrocknet aus?“

Und der Baum antwortete: „Ach, ich bin so durstig. Mir fehlt das nötige Wasser, dass ich leben kann. Ich werde bald sterben, wenn ich nicht bald etwas zu trinken bekomme. Schau meinen Äpfeln geht es nicht besser.“

„Lieber Baum, ich würde dir schon gerne helfen, aber ich bin doch viel zu klein, was kann ich schon bewirken. Nun, wenn ich jemanden treffe, der dir helfen kann, werde ich gerne für dich nachfragen“, versprach das Räupchen und ging weiter.

Noch eine Weile dachte das Räupchen über den verhutzelten Baum nach. Und ganz in Gedanken versunken kam es an einem modrigen Bach vorbei. Der roch schon von weitem unangenehm. Das Wasser war fast eingetrocknet und es war nur noch sumpfiger Schlamm zu sehen.

„Ohje, was ist dir denn zugestoßen?“, fragte die Raupe, „Wieso ist dein Wasser so schmutzig und so übel riechend.“

„Na endlich, kommt jemand und kann mir vielleicht helfen. Seit Wochen fließt schon kein frisches Wasser mehr bei mir zu. Mein Wasser wird immer dickflüssiger und ich werde langsam zu einem Tümpel. Hilf mir, kleine Raupe.“

„Wie du schon sagst, ich bin zu klein und kann nichts bewirken“, bedauert die Raupe. „Aber ich werde darüber nachdenken und wenn ich jemanden treffe, der dir helfen kann, werde ich gerne für dich nachfragen“, versprach auch hier die kleine Raupe und ging weiter.

Die kleine Raupe lief und lief und das Wetter wurde immer rauer. Der Wind pfiff ihm nur so um die Nase. Plötzlich erfasste eine Böe die Raupe und blies sie fast die Hälfte des Weges zurück.

So ein Mist jetzt lauf ich hier schon so lange und nun muss ich bald die Hälfte des Weges neu laufen. Wo will ich eigentlich hin? Und warum bin ich eigentlich hier auf dem Weg? Da entsann sich das Räupchen, dass es berühmt werden wollte und ein Held. Also klopfte es sich den Staub aus den Hosen und ging tapfer, trotz des schlechten Wetters, seinen Weg weiter. Doch irgendwann wurde das Räupchen müde. Es legte sich unter einen Busch, um sich auszuruhen und schlief ein.

Mutter Natur hatte die ganze Zeit die kleine Raupe beobachtet und sie fand, dass es Zeit war, der kleinen Raupe eine Freude zu machen, um sie etwas aufzuheitern und zu motivieren. Sie ersann sich eine wundervolle Idee. Über Nacht schenkte sie der Raupe ein paar regenbogenfarbene Flügel. Als die Raupe nun erwachte, merkte sie, dass da irgendetwas nicht stimmte. An ihrem Rücken hing irgendetwas, was bisher noch nicht da war. Es war einfach lästig. Jetzt auch noch sowas, hab ich denn nicht schon genug Probleme?, dachte die kleine Raupe und wollte die Flügel abschütteln, doch sie waren fest gewachsen. Sie konnte machen was sie wollte, sie gingen einfach nicht ab.

Da hörte die kleine Raupe gleich hinter dem Busch jemanden weinen und schluchzen und fand ein kleines Äffchen. „Weißt du, wo meine Mama ist. Sie ist verschwunden, kannst du mir nicht helfen sie zu finden?“

„Wie soll ich dir denn helfen, ich bin ja viel kleiner als du, was kann ich schon bewirken, doch ich werde auf dem Weg die Augen offen halten und nach deiner Mama schauen.“

Die Raupe lief weiter und weiter, aber von der Affenmutter keine Spur. Sie lief so lange bis sie an den Baum der Weisen kam. Das Räupchen begann an der knorrigen Rinde Hochzukrabbeln. Höher und höher stieg es bis zum Wipfel in die dünnen Zweige. Doch da ergriff ein starker Windstoß die Raupe und pustete sie hinab in die Tiefe. Oh, nein, das ist mein Ende. Ich werde mich zu Tode stürzen. War das mein ganzes Leben und jetzt das?, resignierte die Raupe. Just in dem Moment entfalteten sich die Flügel der kleinen Raupe. Sie glitzerten und funkelten in allen Farben des Regenbogens und die Raupe gelangte wohlbehalten auf einer wunderschönen Wiese mit duftenden Blumen an. Die Blumen sagten zur Raupe: „Du schöner Schmetterling was willst du denn hier unten. Flieg hinauf auf den Wipfel des Baumes, dort wirst du alles erfahren, was du wissen willst.“ Tatsächlich konnte die kleine Raupe mit den neuen Flügeln wunderbar fliegen und sie freute sich, dass die „unnützen Dinger“ doch zu etwas zu gebrauchen waren.

Auf dem Wipfel angelangt, begann der Baum zu wackeln und zu beben: „Wo kommst du her? Was ist dein Begehr?“ Etwas eingeschüchtert durch die mächtige Stimme des weisen Baumes, musste die kleine Raupe erst einmal allen Mut zusammen nehmen, um ihre erste Frage zu stellen. „Ich  bin die kleine Raupe und will berühmt und ein großer Held werden. Aber auf meinem Weg begegnete ich einem kleinem Äffchen, das sucht seine Mutter, weißt du wo sie ist?“

Und der Baum wackelte und bebte: „Flieg an den höchsten Punkt auf den Berg hinter mir, dort ist eine Höhle und da wirst du die Mutter des Affenkindes finden. Doch du wirst auf Schwierigkeiten stoßen, drum denke gut nach und löse das Problem.“

Das Räupchen, welches ja nun ein Schmetterling war, entsann sich, dass der Bach und der Apfelbaum auch noch Fragen hatten, aber der Baum der Weisen antwortete nicht mehr auf den Schmetterling, denn der weise Baum hatte immer nur eine Antwort für jeden, der zu ihm kam.

Also flog der Schmetterling auf den höchsten Punkt des Berges und fand die Höhle.

Doch die Höhle war von einem großen Stein blockiert. Als der Schmetterling nun so ratlos vor der Höhle saß, hörte er das Schluchzen der Affenmutter und er nahm all seine Kräfte zusammen und schob und ruckelte an dem Stein herum. Doch der rührte sich nicht vom Fleck. Da entsann sich der Schmetterling seiner Gemeinschaft. Er flog Tag und Nacht ohne Pause zu seiner Gemeinschaft und wollte alle um Hilfe bitten.

Zuerst erkannte ihn keiner: „Ich bin es doch, die kleine Raupe, ich brauche eure Hilfe. Ich will einem Affenkind helfen, seine Mutter zu finden. Doch ich schaffe es nicht alleine. Sie ist in einer Höhle eingesperrt. Helft mir den großen Stein wegzurollen.“

Die Gemeinschaft war gerne bereit ihrem alten Freund zu helfen und folgte dem Schmetterling. Nur die Kranken und Schwachen blieben zu Hause.

Als sie nun endlich alle am Berg und der Höhle angekommen waren, schoben und ruckelten sie alle an dem Stein herum, bis er krachend zur Seite rollte und aus der Höhle sprudelte ein glockenklares, frisches Wasser hervor,  dass es eine Freude war dem Sprudeln zuzusehen. Kurz darauf sprang auch die Affenmutter aus der Höhle. Sie bedankte sich bei dem Schmetterling freudestrahlend und lief zu ihrem Affenkind.

Die Gemeinschaft, war sehr stolz auf den Schmetterling und auch ein wenig auf sich. Sie hatten ja ebenfalls zur Befreiung der Affenmutter beigetragen. Auf dem Heimweg kamen sie an dem Bach vorbei. „Du wunderschöner sprudelnder Bach, ich sehe, es geht dir wieder gut. Was ist denn passiert? Hat dir jemand helfen können?“, fragt ganz verwundert der Schmetterling.
„Sei doch nicht so bescheiden, du warst es doch, der den Stein ins Rollen gebracht hatte. Wenn du nicht gewesen wärest, wäre ich jämmerlich vertrocknet. Vielen Dank für deine Hilfe.“

Und wieder war die Gemeinschaft sehr stolz auf ihren Schmetterling und auch ein klein wenig auf sich selbst, sie hatten ja ebenfalls bei der Befreiung des Wassers beigetragen. Und alle gingen mit stolz geschwellter Brust weiter, bis sie an einem Apfelbaum kamen. „Du wunderschöner Apfelbaum, es geht dir ja wieder gut. Was ist denn passiert? Hat dir jemand helfen können?“, fragte auch hier der Schmetterling den Baum.
„Ach sei doch nicht so bescheiden, du warst es doch, der den Stein ins Rollen gebracht hat und so die Affenmutter und das Wasser befreit hat. Als das Wasser wieder sprudelte, floss es durch meine Wurzeln bis in meine Blattspitzen und ich konnte wieder leben. Schau meine Äpfel sind wieder prall und rund. Vielen Dank für deine Hilfe.“

Nun war auch der Schmetterling ein bisschen stolz auf sich, denn es hatte ohne an sich zu denken, so vielen helfen können.

Die Gemeinschaft freute sich mit dem Schmetterling und feierte ihm zu Ehren ein großes Fest. Da wurde der Schmetterling ganz rot vor lauter Bescheidenheit, denn er hatte solche Ehre nicht erwartet. Doch die Gemeinschaft sagte zu ihm: „Du hast uns allen gezeigt, wie man mit einer einfachen Tat, so großes bewirken kann, man muss nicht groß und stark sein, um ein Held zu werden. Deine hilfreichen Taten waren es, welche uns beeindruckt und inspiriert haben. Du hast uns gezeigt, das man vieles schaffen kann,  wenn man an sich glaubt und für seine Überzeugung eintritt.“

Der Schmetterling dachte nur bei sich: Wäre ich auch ohne die Gabe der Natur, über mich hinausgewachsen? Vermutlich. Denn mein Ziel war so hochgesteckt, dass ich nur in diese Richtung gehen musste. Die ehrwürdige Frau Falter hatte recht. Weil ich am Ende an mich selbst geglaubt habe, habe ich alles erreicht, was ich mir je erträumt hatte. Jetzt bin ich berühmt und werde als Held gefeiert und das ging fast von alleine. Wer hätt’s gedacht?

˜ Ende ™

HOCH

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